RVO

mein neuer Sommer-RVO

Erfahrene Strickhasen wissen: RVO ist die Abkürzung für „Raglan von oben“. Bei einem Raglan (damit ist der Schnitt der Ärmel und der Schulterpartie gemeint) laufen die Schulternähte schräg vom Kragen (Hals) bis unter den Arm.

Einen Raglanpulli von oben zu stricken, hat mehrere Vorteile:

  • Man hat keine Nähte (wird in einem Stück gestrickt).
  • Man kann den Pulli zwischendurch anprobieren (im Gegensatz zum Raglan-von-unten).
  • Man kann alle Wolle verstricken. Arbeitet man nach der Schulterpartie erst die Ärmel, dann kann man anschließend am Vorder- und Rückenteil so lange stricken, bis das Garn aufgebraucht ist.

Es gibt natürlich unterschiedlichste Muster und Anleitungen und auch Berechnungsmethoden. Bei allen Verfahren fängt man mit der hinteren Halspartie an, strickt dann erst mal in Reihen, wobei an den vier Raglanlinien (den „Nähten“) in jeder zweiten Reihe insgesamt acht Maschen und auch Maschen am vorderen Halsausschnitt zugenommen werden. Hierdurch wird der hintere Halsausschnitt automatisch höher als der vordere. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, dass der vordere Halsausschnitt geschlossen werden kann.

Beginn eines RVO
Beginn eines RVO

Von hier aus strickt man in Runden, bis die Länge der Raglanlinien bequem bis unter die Achseln reicht. Nun wird das Strickstück in Körper und Ärmel getrennt und einzeln fertig gestrickt.

Zeitpunkt der Trennung der Ärmel und des Bodys
Zeitpunkt der Trennung der Ärmel und des Bodys

Vor einigen Jahren habe ich einen Pullover mit Hilfe des Internet-Rechners „Raglan von oben“ gestrickt. Eigentlich war es ganz problemlos, ich habe am Anfang nur zu viel selbst gedacht. Wenn man genau das strickt, was in der Anleitung angegeben ist, ist es ganz leicht nachzuarbeiten.

ein Winter-RVO, warm und kuschelig
ein Winter-RVO, warm und kuschelig

Der Pullover ist aus einem dicken Garn (Olympia von Lana Grossa) und Nadelstärke 8 mm gestrickt.

Olympia von Lana Grossa
Olympia von Lana Grossa

Aus meinem übrig gebliebenen Garn vom Frühlingsjäckchen wollte ich gern wieder einen RVO stricken und habe mir das kostenfreie Muster Raglano von Nicola Susen (erhältlich auf Ravelry) ausgesucht. Das dünne Baumwollbändchen heißt Belisia, ist von Schachenmayr und hat eine Lauflänge von 160 m auf 50 g.

Belisia von Schachenmayr
Belisia von Schachenmayr

Die Berechnung ist ganz einfach und gut erklärt. Allerdings war dann beim Stricken die Raglanlinie etwas kurz, auch ohne Anprobieren deutlich zu sehen. Ich habe dann noch einmal nachgemessen und nachgerechnet, und siehe da, meine Maschenprobe war „in der Runde“ ganz anders, als beim Reihenstricken. Die Differenz machte beim Berechnen von Y (benötige Zahl, die am Anfang der Anleitung ausgerechnet wird und für alle weiteren Rechnungen maßgeblich ist) einschließlich Rundungsdifferenzen 2 Maschen aus. Also habe ich einfach noch länger gestrickt, hatte dann auch die nötige Länge, aber das Oberteil wurde dann viel zu weit. Also ribbeln, unter den Armen wesentlich weniger Maschen zunehmen, und dann passte der RVO.

Ich habe an allen Bündchen einfach einen kleinen Rollrand gestrickt. Bei glatt rechts bedeutet das, man strickt kein Bündchen. Rollen tut es dann von ganz allein.

Rückenansicht ...
Rückenansicht …

Den großen Unterschied bei den beiden Methoden:

Der RVO-Rechner geht vom Halsumfang aus. Die Raglanlinie bestimmst du durch Ausmessen eines anderen Pullovers oder Anprobieren des Strickstücks.

Beim Raglano gibst du die gewünschte Breite deines Pullovers ein. Der Halsausschnitt wird dadurch eher großzügig berechnet. Der Punkt, an dem die Ärmel getrennt weitergearbeitet werden, ist genau angegeben.

Ich empfehle bei beiden Vorgehensweisen, den Pullover zwischendurch mal schnell überzuziehen oder ihn auf einen fertigen, gut sitzenden, zu legen. Veränderungen der Berechnungen können leicht durchgeführt werden, wenn du etwas Erfahrung hast.

Verlinkt mit RUMS, „auf den Nadeln“ von Maschenfein, HäkelLine und bei „froh und kreativ“.

 

3 Gedanken zu „RVO“

  1. Sieht echt gut aus dein RVO-Pulli.
    Obwohl ich schon seit Jahrzehnten stricke habe ich noch nie einen Raglan von oben begonnen.
    Du hast das sehr anschaulich gezeigt, was mich aber bestätigt hat, dass mir das zuviel Strickteil auf einmal auf dem Schoß und zu viel Rechnerei wäre.
    Ich bin da sowieso eher etwas „krawallig“, habe da oft meine eigenen Methoden entwickelt, z.B. beim Maschenaufschlagen, beim Zusammennähen (oft häkele ich die Teile zusammen) und „Sakrileg“;-) , ich spanne meine Strickteile selten.

    Deshalb bewundere ich es immer, wenn jemand wie du so vorschriftsmäßig und planvoll vorgehen.

    LG, Monika

    1. Lieben Dank für deinen Kommentar, Monika. Ich glaube, dass mit dem „vorschriftsmäßig“ täuscht. Bei diesem Projekt passte es halt. In der Regel mag ich nicht zusammen nähen und versuche immer, alles an einem Stück zu stricken (und auch die Ärmel gleichzeitig, damit ich mir nichts aufschreiben muss). Viel Gestricktes auf dem Schoß wärmt, ich bin da eine ziemliche Frostbeule.

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